Es gibt Phasen im Leben, in denen man mit ganz besonderen Menschen zusammen trifft: in einer solchen hatte ich das Glück, Linda Tellington-Jones zu begegnen. 

Eine Einladung zu einem Symposium im Jahr 1997 mit internationalen Teilnehmern und Referenten machte mich neugierig und stolz, dabei sein zu dürfen. Micky Remann hatte einige seiner Kontakte aus aller Welt nach Bad Sulza eingeladen. Ich erinnere mich an Elaine Thompson, die eine Frequenz- und Klangtherapie entwickelt hat, um über die Stimme eine persönliche Analyse nebst individueller Therapieform zu schaffen. An Günter Haffelder, Physiker und Psychologe und Leiter des Instituts für Kommunikation und Gehirnforschung aus Stuttgart, der eine eine neuartige Messmethode für Gehirnwellen mitbrachte. Und Linda Tellington-Jones, die ihre Methode TTouch in ihrer unnachahmlich begeisternden und mitreißenden Art vorstellte. Es gab von allen Referenten Einführungsvorträge – ich fühlte mich sehr geehrt, auch Liquid Bodywork, meine Wasserarbeit, vorstellen zu dürfen – und man konnte sich dann entscheiden, einen oder mehrere Workshops mitzumachen. Als Bodyworkerin musste ich auf jeden Fall den TTouch näher kennen lernen und Linda faszinierte mich als Persönlichkeit vom ersten Moment an. Die Magie der Kreise zog mich schnell in ihren Bann. Diese Kreise sind so unmittelbar zu fühlen und genial in der Einfachheit und Klarheit. Gleichzeitig fundiert und tief wirksam.

Das Symposium beförderte vor allem den regen Austausch zwischen den Referenten und ihren Methoden. So war es spannend zu sehen, wie Günter Haffelder Linda und einen Probanden verkabelte und die Messung der Gehirnwellen über einen Bildschirm für alle sichtbar machte. Nicht nur, dass die TTouches beim Probanden eine sofortige Entspannung hervorriefen, von zunächst hoher Frequenz der Hirnwellen deutlich in Richtung des Thetabereiches von 7- 4 Hz. Das sind die Wellen des Unterbewussten, die besonders im Traum (REM-Schlaf), in der Meditation und während kreativer Zustände vorkommen. Verblüffend war, dass die Gehirnwellen von Linda und ihrem Probanden sich immer mehr anpassten, bis sie im gleichen Rhythmus waren.

Die Abende gehörten dem Erleben des Liquid Sound, dem Klangelement Wasser. Micky Remann, der das Symposium charmant moderierte, hatte den Teilnehmern von seinen Begegnungen mit Walen erzählt und wie ihn die musikalischen Interaktionen mit diesen geheimnisvollen Wesen angeregt hatten, den Klangraum Wasser für Menschen erfahrbar zu machen. Es fing an mit Unterwasserkonzerten in Frankfurt am Main in den achtziger Jahren und führte dann in die beiden Therapiepools des Klinikzentrums Bad Sulza. Im körperwarmen Thermalsolewasser, das in Bad Sulza aus dem 250 Mill. Jahre alten Triasmeer kommt, schwebt der Körper mühelos. Sobald man – auf dem Rücken liegend, die Nase über, die Ohren unter Wasser – eintaucht, beginnt die Verzauberung: Im klingenden, farbdurchpulsten Liquid Sound-Pool stellt sich eine tänzerische Leichtigkeit ein, Liebe auf den ersten Klang sozusagen. Zu steigern ist das nur noch durch eine geführte Aqua Wellness / Liquid Bodywork Session. Auf Händen getragen und sanft über und manchmal sogar unter Wasser bewegt zu werden, löst ungeahnte Glücksgefühle aus.

Ich bot Linda eine kleine Kostprobe meines Könnens an, die sie gerne annahm. Während der Session fragte ich sie, ob ich die neu erlernten TTouch Techniken im Wasser bei ihr ausprobieren und in die Session integrieren dürfe. Schon durch Liquid Sound und Liquid Bodywork entspannt, zeigte sich das als ein höchst wirkungsvoller Ansatz, auch wenn es zunächst ein buntes Ausprobieren war, welche der Techniken auch im Wasser gut funktionieren und wie man sie an die besonderen Bedingungen im Pool anpassen kann. Schnell entwickelte sich ein inspirierender Austausch und wir probierten wechselseitig mit großem Vergnügen eine Menge aus.

Nach dieser Initialzündung experimentierte ich weiter mit dem TTouch im Wasser, und mit Lindas Segen durfte ich passende Elemente daraus in die Ausbildungen zum Aqua Wellness Bodyworker übernehmen. Seither gibt es eine Einführung in den TTouch in den Aqua Wellness Trainings und wenn ich meinenTeilnehmern von Linda erzähle, schwappt meine Begeisterung nach wie vor über. Einige der Trainees haben später weitere Kurse bei Linda gemacht und alle profitieren von der Erfahrung – allen voran unsere Klienten im Wasser: In vielen Liquid Bodywork Sessions setze ich den TTouch ein, um Verspannungen schneller zu lösen, Ängste auf der Ebene der Zellen zu nehmen, das Körperbewusstsein zu intensivieren. Es unterstützt perfekt meine Intention, für den Klienten einen Raum zu schaffen, in dem er oder sie einfach sein darf, sich sicher und angenommen zu fühlen. Ich bin zutiefst dankbar für diese Bereicherung meiner therapeutischen Arbeit.

Liquid Sound ist den kleinen Therapiepools inzwischen entwachsen und ist das Herzstück der wunderschönen Toskana Therme in Bad Sulza. Linda und ihr Mann Roland sind immer wieder hier zu Gast gewesen. 2010 wurde in Bad Orb, in der Nähe von Frankfurt am Main, ebenfalls eine Toskana Therme mit Hotel eröffnet, dort war ich über fünf Jahre für das Management verantwortlich. Linda ist gerne nach Bad Orb gekommen, es fanden dort einige Seminare für Hunde statt und auch TTouch for You. So hatten und haben wir immer wieder regelmäßige Begegnungen, die von freundschaftlichem lebendigen Austausch geprägt sind.

Vor zwei Jahren hat sich einer meiner großen Träume verwirklicht – eine Reise nach Hawaii. Wir trafen Linda und Roland gleich am ersten Tag auf Big Island, es war wie nach Hause kommen. Das Ferienhaus der beiden in den Bergen, nahe des Kilauea, ist ein liebevoll eingerichtetes Refugium: Rückzugsort, Kraftplatz und guter Ausgangspunkt, um die Insel zu erkunden. Während eines anschließenden Retreats und Councils, mit Linda und Gigi Coyle (Mitgründerin der Ojai Foundation und der School for lost Borders, Kommunikationsmentorin und Council Trainerin) in der Kealakekua Bay, teilte Linda wieder aus vollem Herzen die Geschenke des TTouch mit uns und der Gruppe. Sie ist ein strahlender Stern, ich kreise so gerne um sie – mit eineinviertel Umdrehungen.

Musia Heike Bus